Digitale Forensik
Digitale Forensik beschreibt Methoden und Prozesse zur Identifikation, Sammlung und Analyse digitaler Beweismittel. Ziel ist das sichere Erhalten von Beweisen für Incident Response, forensische Analysen und rechtliche Verfahren.
Klassifikation
- KomplexitätHoch
- AuswirkungTechnisch
- EntscheidungstypOrganisation
- OrganisationsreifeReif
Technischer Kontext
Prinzipien & Ziele
Use Cases & Szenarien
Kompromisse
- Kontamination von Beweismitteln durch falsche Handhabung.
- Versagen der Chain-of-Custody führt zu Unverwertbarkeit vor Gericht.
- Fehlinterpretation von Artefakten ohne Kontextwissen.
- Standardisierte, dokumentierte Verfahren für Sammlung und Analyse nutzen
- Integrität durch Hashing und redundante Speicherung sicherstellen
- Regelmäßige Schulungen und Tabletop-Übungen zur forensischen Bereitschaft
I/O & Ressourcen
- Endpoint-Images und Speicherabbilder
- Netzwerk-Captures und Proxy-Logs
- Authentifizierungs- und Applikationsprotokolle
- Forensische Befunde und Berichte
- Sichere Kopien und Artefakt-Repository
- Rechtsverwertbare Dokumentation der Chain of Custody
Beschreibung
Digitale Forensik ist die Disziplin der Identifikation, Sammlung, Sicherung und Analyse digitaler Beweismittel zur Unterstützung von Incident Response, rechtlichen Verfahren und Attribution. Sie definiert Vorgehen, Werkzeuge und Governance zur Wahrung der Beweismittelintegrität und gerichtlichen Verwertbarkeit. Forensische Bereitschaft verkürzt Untersuchungszeiten und verbessert Reaktionsfähigkeit und Compliance.
✔Vorteile
- Ermöglicht fundierte Ursachenanalyse und Attribution bei Sicherheitsvorfällen.
- Unterstützt rechtliche Verfahren durch gerichtsfeste Beweismittel.
- Verbessert Incident Response durch bessere Vorbereitung und dokumentierte Prozesse.
✖Limitationen
- Ressourcenintensiv: Zeitaufwand und spezialisierte Tools sind erforderlich.
- Rechtliche Beschränkungen variieren je nach Gerichtsbarkeit.
- Unvollständige Telemetrie oder verschlüsselte Daten können Analysen einschränken.
Trade-offs
Metriken
- Zeit bis zur Beweissicherung
Zeitspanne zwischen Vorfallentdeckung und sicherer Archivierung relevanter Beweismittel.
- Anzahl konservierter Artefakte pro Vorfall
Anzahl der gesicherten Dateien, Images und Log-Segmente, die für die Analyse genutzt werden.
- Zeit bis zum forensischen Abschlussbericht
Dauer bis zur Fertigstellung eines gerichtsfesten Untersuchungsberichts.
Beispiele & Implementierungen
Ransomware-Vorfallanalyse
Untersuchung der Verschlüsselungs-Chain, Wiederherstellung von Artefakten und Ableitung der Eintrittswege.
Analyse mobiler Endgeräte
Sichere Extraktion von Nutzerdaten und App-Logs zur Rekonstruktion von Handlungen.
Log-basierte Bedrohungsattribution
Korrelation von Netzwerk-, Proxy- und Authentifizierungsprotokollen zur Identifikation eines Angreifers.
Implementierungsschritte
Aufbau forensischer Policies, Chain-of-Custody-Vorgaben und Verantwortlichkeiten
Instrumentierung von Logging, zentraler Sammlung und langfristiger Aufbewahrung
Einrichten von Tooling, Training von Analysten und regelmäßige Readiness-Übungen
⚠️ Technische Schulden & Engpässe
Tech Debt
- Veraltete Tools ohne Unterstützung für moderne Dateisysteme
- Unzureichende zentrale Log-Speicherung und Retention
- Keine dokumentierten, wiederholbaren Forensik-Workflows
Bekannte Engpässe
Beispiele für Missbrauch
- Manipulation von Beweisen zur Beschleunigung der Wiederherstellung ohne Dokumentation
- Unbefugte Forensik durch nicht autorisierte Mitarbeiter
- Unvollständige Sicherung von Logs vor einer zulässigen Richtlinienlöschung
Typische Fallen
- Unklare Zuständigkeiten führen zu Verzögerungen bei der Beweissicherung
- Fehlende Zeitstempel-Synchronisation erschwert Korrelation
- Übermäßige Eingriffe an Originaldaten kompromittieren Beweismittel
Erforderliche Fähigkeiten
Drivers (Architectural Drivers)
Constraints
- • Rechtsrahmen und Datenschutzbegrenzungen
- • Verschlüsselte oder nicht verfügbare Datenträger
- • Abhängigkeit von Drittanbieter-Logs in Cloud-Umgebungen